Polyneuropathie - Ameisen in Armen und Beinen

07.08.2016

Polyneuropathie ist eine Erkrankung des peripheren Nervensystems, die mit Muskelschwäche und Gefühlsstörungen einhergeht. Zum peripheren Nervensystem zählen zum Beispiel Nerven, die den Muskeln ihre Befehle geben, oder Nerven in der Haut, die für das Empfinden von Berührungen, Temperatur, Druck und Vibration verantwortlich sind.

Das Rückenmark und das Gehirn als zentrales Nervensystem sind bei einer Polyneuropathie nicht betroffen.

Als Hauptursachen der Polyneuropathie gelten Diabetes mellitus und Alkoholismus. Jedoch gibt es noch weitere Ursachen, die sich vom Krankheitsbild und auch von der Behandlungsmethode der Polyneuropathie durch Diabetes unterscheiden. So können polyneuropathische Sensibilitätsstörungen z. B. auch durch Tumorerkrankungen bzw. deren Behandlung in Form einer Chemo- oder Strahlentherapie an verschiedenen Stellen des Körpers auftreten.

Häufig beginnt die Erkrankung mit unangenehmen Missempfindungen, wie Ameisenlaufen in Händen und Beinen.

Bei fortgeschrittener Erkrankung, weisen vor allem die Körperregionen, an denen man Handschuhe oder Socken tragen würde, folgende unangenehme Symptome auf:
  • Kribbeln
  • Taubheitsgefühl
  • Brennende Schmerzen
  • Hitze- oder Kältegefühl
  • Schwellungsgefühl
  • Druck- und Zuschnürungsgefühl
Polyneuropathie

Je früher eine Behandlung erfolgt desto besser, denn andauernde Symptome können dazu führen, dass die Beschwerden chronisch oder schwerer zu behandeln werden. Neben der  Therapie durch verschiedene Medikamente, sollten auch nichtmedikamentöse Therapien, wie physikalische Therapie, Ergotherapie, Verhaltenstherapie, Entspannungsübungen und sozialmedizinische Betreuung nicht außer Acht gelassen werden. Enorm wichtig ist auch eine detaillierte Aufklärung und die aktive Mitarbeit des Patienten.

Hilfreiche Tipps

Zur Unterstützung der oben aufgeführten Behandlungsmöglichkeiten, erhalten Sie hier einige hilfreiche Tipps, um Vorkehrungen für Ihren Alltag zu treffen und selbst positiv auf den Krankheitsverlauf einzuwirken:
  • Wenn Sie Druck oder Schmerzen nicht mehr richtig fühlen können besteht die Gefahr von Verletzungen und Infektionen, z.B. durch Schnittverletzungen,  Verbrennungen oder Druckstellen. Lassen Sie Ihre Maniküre und Pediküre von einer  Fachkraft durchführen oder tragen Sie bei der Zubereitung von Speisen Schutzhandschuhe um Schnittverletzungen zu vermeiden.
  • Setzen Sie sich im Alltag so vielen unterschiedlichen Reizen wie möglich aus, damit die Wahrnehmungsverarbeitung bestmöglich angeregt werden kann. Achten Sie bei Spaziergängen bewusst auf Naturmaterialien, fahren Sie über Baumrinden, nehmen Sie einen Stein oder Gras und bewegen diese in der Hand. Gehen Sie barfuß auf Wegen, aber achten Sie darauf, dass Sie sehen können, wo Sie hintreten – hohes Gras birgt Verletzungsgefahr und ist nicht für Diabetiker geeignet! Auch Massagen mit Igelball und verschiedenen Bürsten sind für das Training gut geeignet.
Therapiezirkel - "Barfussweg" in der Klinik
  • Körperliche Aktivität hält die Muskulatur stark. Durch regelmäßige Aktivitäten können Sie Verkrampfungen vermeiden und somit Schmerzen verringern. Achten Sie jedoch auch auf regelmäßige Ruhezeiten. Lockern Sie die Muskulatur mit Wärme oder durch das Entlangstreichen der beanspruchten Region mit den Händen.
  • Wenn Sie sehr auf Kältereize reagieren, sollten Sie auf die betroffenen Körperstellen wie Hände, Füße, Nasenspitze und Ohren achten und so gut es geht vor Kälte schützen. Ziehen Sie warme Socken, Schuhe und Handschuhe an und benutzen Sie eine Mütze oder ein Stirnband. Vermeiden Sie auch das Essen oder Trinken von kalten Speisen und Getränken.
  • Bei unsicherem Gang ist es empfehlenswert feste Sohlen oder Socken mit Anti-Rutsch-Beschichtung zu tragen oder auf Hilfsmittel zum Gehen zurückzugreifen. Damit auch Ihre eigenen vier Wände nicht zum Risiko werden, sollten Sie eventuelle Stolperfallen ausfindig machen und ggf. entfernen. Hier zu nennen sind v. a. Teppiche, Badvorleger, Dusch- und Badewannenmatten oder Saugknöpfe und nasse Oberflächen.
  • Wenn Sie Schwierigkeiten beim Treppensteigen haben, achten Sie genau auf die Höhe der Stufen. Dies liegt an den Wahrnehmungsstörungen und schränkt die Tiefensensibilität ein, das heißt Sie spüren nicht ohne Hinschauen, wo sich Ihr Fuß oder Bein im Raum gerade befindet. Geben Sie beim Treppensteigen immer einen eindeutigen Druck auf die Sprunggelenke, damit dieser Reiz auch wirklich im Gehirn ankommt.
  • Die Teilnahme an Selbsthilfegruppen ermöglicht Ihnen den Austausch mit anderen Patienten, die an ähnlichen Symptomen leiden.