Tanzen ist…? alles andere als langweilig! 5. Teil

31.07.2020 – Armin Manglkramer (Integrative Tanztherapie)

Herzlich Willkommen zurück aus der Corona-Pause. Schön, dass Sie wieder mit dabei sind.

Viele seltsame Wochen und Monate voller Einschränkungen liegen nun seit unserem letzten Blog zurück. Manche von Ihnen waren vielleicht selbst betroffen, waren in Quarantäne oder sind / waren in Kurzarbeit. Viele von Ihnen haben sich möglicherweise auch weniger bewegt als sonst.

Deshalb möchte ich Ihnen heute zeigen, dass es ganz einfach ist, mit Tanz bzw. Musik wieder in Bewegung zu kommen und welche Vorteile bzw. positiven Auswirkungen das Tanzen auf unseren Körper hat. Dazu brauchen Sie nicht einmal einen Tanzpartner wie beim Paartanz und man kann auch die Abstandsregeln gut einhalten. Aus diesem Grund starten wir in der Klinik Prof. Schedel GmbH demnächst auch wieder mit unserer Tanzwerkstatt. Ein Vorteil, in der Gruppe zu tanzen ist es nämlich, dass Sie Bewegungen von anderen übernehmen können und ausprobieren können, welche Bewegungen zu Ihnen passen.

Aufgrund der Abstandsregelung starten wir unsere "Tanzwerkstatt" auch ohne Paartanz.

Häufig bekomme ich zu hören: „Ich kann doch gar nicht tanzen.“ Das Tolle ist – das muss man auch gar nicht. Vordergründig geht es zunächst um das Bewegen zur Musik. Und dabei ist es völlig egal, ob Sie sich zusammen mit einem Partner oder alleine bewegen.

Beim Tanzen wird – wie bei jeglichen Arten von Bewegung – viel Sauerstoff durch die erhöhte Atmung aufgenommen; vorausgesetzt es wird natürlich vor allem in Zeiten wie diesen gut durchgelüftet. Der Sauerstoff wird durch die verbesserte Durchblutung in die Muskeln und ins Gehirn transportiert und aktiviert somit den gesamten Körper. Das ist die Grundvoraussetzung, damit sich im Gehirn sogenannte Synapsen bilden können.

Synapsen kann man mit vielen kleinen Inselchen vergleichen, die vorerst alle für sich alleine stehen. Erst durch die Verknüpfung miteinander, wie mit Brücken, kann unser Gehirn von überall aus auf alle Informationen zugreifen, wodurch sich z. B. neue Bewegungsmuster ausbilden und andere sich wiederum abbauen können – ich denke da vor allem an Schonhaltungen.

Unser Gehirn befindet sich im Grunde unser Leben lang über 1.000-mal am Tag in diesem Umbauprozess, welchen man auch lebenslanges Lernen nennt. Das Tanzen kann also insgesamt unser bestehendes Bewegungsrepertoire erweitern und sorgt somit für mehr Flexibilität in unseren Bewegungen.

Bewegungen, die eher armbetont sind, sorgen für eine verbesserte Beweglichkeit im Becken und in der Wirbelsäule. Gut dafür eignen sich die von Haus aus quirligen und raumgreifenden lateinamerikanischen Rhythmen, egal ob als Paartanz oder Zumba beispielsweise. Legen Sie doch mal karibische, kubanische oder brasilianische Musik auf und Sie werden schnell merken, dass sich die Arme und Beine fast schon wie von selbst bewegen.

Standardtänze wie der Walzer sorgen durch die strenge Körperhaltung eher für die Aufrichtung der Wirbelsäule. Dadurch verbessern sich die Atmung und das Gangbild. Übrigens: Standardtänze oder das Bewegen zu weltlicher bzw. Popmusik funktionieren auch wunderbar ohne Tanzpartner. Probieren Sie es doch einmal aus.

Völlig gleichgültig, ob Sie Bewegungseinschränkungen in den Armen oder Beinen haben, ist ein weiterer Vorteil des Tanzens, dass Sie selbst steuern können, wie viel Sie bewegen. Wichtig ist, dass Sie dabei immer Ihre Schmerzgrenze beachten. Denken Sie daran: Weniger ist oft mehr. Wer will sich schon mit Schmerzen bewegen? Dies führt nur zu unnötigen Schonhaltungen. In jedem Fall erweitern Sie durch Bewegung stets Ihr Bewegungsausmaß im Schulter-, Wirbelsäulen-, Becken- und Beinbereich und das macht auch noch Spaß!

Apropos Schmerzen – Wussten Sie, dass Bewegung auch gleichzeitig Schmerztherapie ist? Dies gilt vor allem bei Bewegungen, die wir gerne ausführen, wie z. B. beim Tanzen. Haben wir Freude daran, schüttet der Körper so genannte Endorphine aus. Zum einen steckt in diesem Wort der Begriff „endo“ für „im Körper“ und zum anderen das Wort „Morphine“. Sie kennen es besser unter „Morphium“ – ein Schmerzmittel. Endorphine sind also eigens vom Körper in der Hypophyse und dem Hypothalamus hergestellte, schmerzlindernde Eiweißverbindungen.

Wer unter Gangunsicherheit leidet, greift gut und gerne auch auf die altmodische Weise zurück. Im herkömmlichen Standardtanz gibt es viele Möglichkeiten, um zu führen oder geführt zu werden. Durch den Kontakt zum Partner fühlt man sich aufgrund der „Festhaltemöglichkeit“ auch gleich etwas sicherer.

Sie sehen also: Tanzen ist nicht nur Bewegung zu Musik, sondern hat viele positive Nebeneffekte.

Es werden noch weitere, interessante Blogs zum Thema Tanztherapie folgen. Bleiben Sie dran!

Und nun erst einmal viel Spaß beim Bewegen!