Tanzen ist…? alles andere als langweilig! 6. Teil

11.11.2020 – Armin Manglkramer (Ausdauer- und Atemtraining)

Liebe Leserinnen und Leser,

schön, dass Sie wieder dabei sind. Heute möchte ich mich einem Thema widmen, das viele Menschen nach Operationen mit Vollnarkose, Chemo- und/oder Bestrahlungstherapie, langem Liegen und dem damit verbundenen Bewegungsmangel betrifft.

Unser Körper arbeitet immer ökonomisch, d. h. Dinge, die er nicht benötigt, baut er ab. Wir kennen das von Muskeln, die an Umfang und Kraft verlieren. Dasselbe geschieht jedoch auch mit unserer Kondition, je länger wir liegen und je weniger wir uns bewegen. Der Zellstoffwechsel ist dadurch erheblich reduziert, weil durch die flachere Atmung weniger Sauerstoff in die Zellen gelangt. Der Sauerstoff ist für die Funktionsfähigkeit der Zellen im gesamten Körper unabdingbar. Erst dadurch werden Muskeln, Nerven, Organe und unser Gehirn leistungsfähig.

Und das wichtigste: Der Stoffwechsel ist unabdingbar, wenn es um den Abbau und die Ausscheidung von Gift- und Abfallstoffen – wie z. B. Narkose oder Chemo – geht.

Durch das häufig mit Bewegung verbundene Ausdauer- und Atemnot-Problem meiden viele Menschen die Bewegung weiter, was zu einer Abwärtsspirale führt. Aus diesem Grund möchte ich Ihnen heute zeigen, wie man sich trotz Luftnot bei Anstrengung (wir nennen das Belastungsdyspnoe) noch immer gut bewegen und trainieren kann. Das Tanzen unterstützt diese Prozesse, die im Körper still und heimlich ablaufen.

 

Eines vorweg: Wenn Sie Atemnot bekommen, sollten Sie auf jeden Fall versuchen ruhig zu bleiben. Es gibt zwei Möglichkeiten, wie Sie Ihre Lunge und die Atemhilfsmuskeln wieder beruhigen können.
  1.   Setzen Sie die Presslippenatmung – auch Lippenbremse genannt – ein:

Formen Sie dazu ihre Lippen zu einer Spitze, so als würden Sie eine Kerze ausblasen. Achten Sie jedoch darauf, dass Sie Ihre Wangen nicht aufblähen. Am besten lassen Sie sie so locker wie möglich, sodass nur die Muskeln um den Mund herum angespannt sind. Das Geräusch, das sich dabei bildet, klingt so als ob Luft aus einer Luftmatratze entweichen würde.


      2.   Nutzen Sie den Kutschersitz:

Setzen Sie sich an die Kante eines Stuhles, die Beine etwas auseinander. Stützen Sie sich nun mit Ihren Unterarmen auf Ihre Oberschenkel. Neigen Sie den Kopf etwas nach unten in Richtung Brust. Das verhindert, dass der Körper zusätzliche Energie für die Haltearbeit des Brustkorbs und des Kopfes verbraucht.

Ein Vorteil beim Tanzen liegt darin, dass es verschiedene Rhythmen und damit auch verschiedene Tempi gibt, sodass man langsam beginnen und sich dann aber auch langsam steigern kann. Der Rhythmus ist ein gutes Mittel, um die Ausdauer zu trainieren, weil auch der Atem einem bestimmten Rhythmus folgt, nämlich Einatmen – Ausatmen – Einatmen – Ausatmen usw. Sie können nun ihren Atem trainieren, indem Sie wie folgt vorgehen:

1 – Einatmen

2 – Ausatmen

3 – Einatmen

4 – Ausatmen

Diese Vorgehensweise empfehle ich bei ohnehin langsamen Musikstücken wie z. B. bei einem Blues oder einer Ballade

Sie können dann nach und nach die Ausatemzeit verlängern, je nachdem wie schnell das Lied ist:

1 2 3 – Einatmen

1 2 3 – Ausatmen bei einem Walzer

oder

1 2 – Einatmen

3 4 – Ausatmen

oder

1 2 3 4 – Einatmen

1 2 3 4 – Ausatmen

Je länger Sie ein- und ausatmen, trainieren Sie Ihre Lunge und erhöhen deren Sauerstoffaufnahmekapazität. Dies kann auch über zwei Takte geschehen.

Diese Technik können Sie auch ohne Weiteres auf das Treppensteigen, Spazierengehen oder Walken übertragen. Je häufiger Sie die Techniken anwenden, umso schneller werden Sie merken, wie sich Ihr Lungenvolumen erhöht. Dies ist bereits eine der wichtigsten Voraussetzungen, um wieder an mehr Ausdauer zu gewinnen. Wichtig dabei ist, dass Sie sich nur langsam steigern, damit der Körper auch die Zeit hat, sich zu gewöhnen. Dies dauert in der Regel ein- bis maximal zwei Wochen – erst dann sollten Sie die nächste Intensitätsstufe angehen.

Im nächsten und letzten Blog dieser Reihe zeige ich Ihnen, wie Sie mit Hilfe des Tanzens Ihre Muskeln und auch Ihren Beckenboden trainieren können.